Wie sich Open-Source-Backup-Tools unterscheiden: Von einfachen Tools bis zu zentralen Backup-Plattformen

Backup-Software kann sehr unterschiedlich aufgebaut sein.
Restic kann als einzelne ausführbare Datei per Skript gestartet werden. BorgBackup ist auf deduplizierte Repositories ausgelegt. Bareos verwaltet Clients, Jobs und Speicher in einer zentralen Backup-Umgebung. Proxmox Backup Server ist eng mit virtuellen Infrastrukturen verbunden.
Alle erstellen Backups. Der Weg dorthin ist aber sehr unterschiedlich.
Das ist wichtig, denn einige wenige Linux-Server zu sichern ist eine andere Aufgabe als Hunderte Systeme mit verschiedenen Betriebssystemen und mehreren Speicherzielen zu verwalten.

Eine gute Ausgangsfrage ist deshalb:
Wie möchten Sie Ihre Backups verwalten?

Bareos und Bacula: Zentrale Backup-Plattformen

Bareos basiert auf einem zentralen Director, der Backup- und Restore-Jobs, Clients, Zeitpläne und Speicher koordiniert. File Daemons laufen auf den zu sichernden Systemen, während Storage Daemons die Backup-Daten verarbeiten und speichern.

Bacula verwendet ein ähnliches Modell mit Director, File Daemons und Storage Daemons.
Das erfordert mehr Einrichtung als ein einzelnes Backup-Tool. Dafür lassen sich Clients, Jobs und Speicher innerhalb einer gemeinsamen Umgebung verwalten.

Bei wenigen Systemen kann das mehr sein, als tatsächlich benötigt wird. Wenn jedoch die Zahl der Systeme, Richtlinien oder Administratoren wächst, wird zentrale Verwaltung deutlich wichtiger.

Weiterführende Links:
Bacula architecture
Bareos architecture

UrBackup: Zentralisiert, aber kompakter

UrBackup verwendet ebenfalls einen zentralen Server zur Verwaltung verbundener Clients und kombiniert Datei- und Image-Backups in einem System.
Es unterstützt Windows, Linux, macOS und FreeBSD, ist aber besonders bei Image-Backups und Bare-Metal-Recovery stärker auf Windows ausgerichtet. Der Funktionsumfang ist insgesamt enger als bei Bareos oder Bacula.

Weiterführende Links:
UrBackup features
UrBackup downloads

Proxmox Backup Server: Für Proxmox VE entwickelt

Proxmox Backup Server ist eng auf Proxmox VE abgestimmt.
Virtuelle Maschinen und LXC-Container können direkt aus der Virtualisierungsplattform gesichert werden. PBS übernimmt dabei unter anderem Speicherung, Deduplizierung, Verifikation und Synchronisierung.
Auch eigenständige Linux-Systeme lassen sich mit proxmox-backup-client sichern. Außerhalb von Linux und Proxmox VE ist der Einsatzbereich jedoch deutlich eingeschränkter.

Weiterführende Links:
Proxmox Backup Server
Proxmox Backup Client

Restic und BorgBackup: Möglichst schlank bleiben

Restic verfolgt einen deutlich schlankeren Ansatz. Man erstellt ein Repository, startet einen Backup-Befehl und erhält Snapshots, die später geprüft oder wiederhergestellt werden können. Zeitplanung und Monitoring übernehmen normalerweise Werkzeuge wie cron, systemd oder andere Automatisierungslösungen. Restic läuft unter Linux, Windows, macOS und verschiedenen BSD-Systemen.

Weiterführende Links:
Restic documentation
Restic installation

BorgBackup verfolgt ein ähnlich schlankes Modell mit Schwerpunkt auf Deduplizierung, Komprimierung sowie verschlüsselten lokalen oder entfernten Repositories. Die Plattformunterstützung ist stärker Unix-orientiert.

Weiterführende Links:
BorgBackup documentation

Der Vorteil beider Werkzeuge ist einfach: weniger Komponenten.
Der Nachteil zeigt sich, wenn die Umgebung wächst. Zentrale Zeitplanung, Monitoring und Policy-Management müssen dann mit zusätzlichen Werkzeugen aufgebaut werden.

Duplicati: Backup-Client mit optionaler zentraler Verwaltung

Duplicati erstellt verschlüsselte, inkrementelle und komprimierte Backups auf lokale und entfernte Ziele und läuft unter Windows, Linux und macOS.
Einzelne Installationen lassen sich über die jeweilige Oberfläche verwalten. Die Duplicati Console ergänzt zentrales Monitoring und Management; weitergehende Funktionen sind über kostenpflichtige Tarife verfügbar.

Weiterführende Links:
Duplicati documentation
Duplicati pricing

Damit liegt Duplicati irgendwo zwischen einem eigenständigen Backup-Client und einer zentral verwalteten Plattform.

Warum ist dieser Unterschied wichtig?

Für drei Linux-Server können einige automatisierte Backup-Befehle völlig ausreichen.
Bei 200 Systemen sieht es anders aus. Unterschiedliche Zeitpläne, Benutzer, Zugangsdaten, Aufbewahrungsregeln und Speicherziele müssen irgendwo verwaltet werden.

Die einzelnen Backup-Befehle können weiterhin einfach sein. Ihre Verwaltung ist es nicht mehr.
Zentrale Backup-Plattformen übernehmen einen größeren Teil dieser Koordination selbst. Kleinere Tools überlassen mehr davon Skripten, Monitoring-Systemen und der vorhandenen Infrastruktur.
Keine der beiden Varianten beseitigt Komplexität.

Sie verlagern sie nur an unterschiedliche Stellen.

Welcher Ansatz passt zu welcher Aufgabe?

Wenn Sie davon ausgehen, dass Ihre Backup-Umgebung mit der Zeit wächst, bieten Bareos und Bacula mehr Spielraum, ohne dass die grundlegende Architektur geändert werden muss. Sie können klein beginnen und später weitere Clients, Speichersysteme, Zeitpläne oder Administratoren innerhalb derselben zentralen Plattform ergänzen.

Wenn dagegen nur wenige Systeme geschützt werden müssen und die Umgebung voraussichtlich überschaubar bleibt, kann ein kleineres Tool wie Restic, BorgBackup oder Duplicati einfacher zu betreiben sein. Weniger Infrastruktur, weniger Komponenten.

Für Infrastrukturen, die hauptsächlich auf Proxmox VE basieren, ist Proxmox Backup Server naheliegend, weil die Sicherung von VMs und Containern eng in die Virtualisierungsplattform integriert ist.

UrBackup liegt dazwischen. Es bietet zentrale Verwaltung, ist aber stärker auf Datei- und Image-Backups fokussiert und deckt weniger Szenarien ab als Bareos oder Bacula.

Es gibt keine Architektur, die für jede Umgebung passt. Für kleine und stabile Setups kann ein schlankes Tool die bessere Wahl sein. Wenn später jedoch weitere Systeme, Speicherziele oder Anforderungen hinzukommen sollen, lohnt es sich, dieses Wachstum bereits bei der Wahl der Architektur zu berücksichtigen.

Die Architektur ist nur ein Teil der Entscheidung. Ebenso wichtig sind die Fragen, wo Backup-Daten gespeichert werden, wie sie geschützt sind und was passiert, wenn eine VM, eine Datenbank oder ein komplettes System wiederhergestellt werden muss.

Als Nächstes schauen wir uns deshalb Unterschiede bei Speicher, Deduplizierung, Verschlüsselung und Backup-Sicherheit an.

Die entscheidende Frage ist also nicht einfach, welches Produkt mehr Funktionen bietet.

Brauchen Sie ein Backup-Tool – oder eine Backup-Plattform, die mit Ihrer Umgebung wachsen kann?

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