Wie sich Open-Source-Backup-Tools unterscheiden: Recovery und Disaster Recovery

Ein Backup ist nur dann nützlich, wenn Sie die benötigten Daten auch wiederherstellen können.
Manchmal geht es dabei nur um eine versehentlich gelöschte Datei. In anderen Fällen müssen Sie eine komplette virtuelle Maschine, eine laufende Datenbank oder einen ganzen Server nach einem Festplattenausfall wiederherstellen.
Das sind sehr unterschiedliche Recovery-Szenarien, und nicht jedes Backup-Tool ist auf alle davon gleichermaßen ausgelegt.
Bevor Sie sich für eine Backup-Lösung entscheiden, sollten Sie sich deshalb fragen:
Was müssen Sie im Ernstfall tatsächlich wiederherstellen können?

File Restore: Alle Tools decken die Grundlagen ab

Die Wiederherstellung einzelner Dateien ist die grundlegendste Anforderung, und alle Tools in unserem Vergleich können das.
Bareos und Bacula bieten katalogbasierte Datei-Wiederherstellung. Proxmox Backup Server ermöglicht das Durchsuchen von Backups und die Wiederherstellung einzelner Dateien. UrBackup und Duplicati bieten Restore-Oberflächen, während Restic und BorgBackup Dateien aus Snapshots oder Archiven wiederherstellen.
Für typische Fälle wie ein versehentlich gelöschtes Dokument funktionieren all diese Ansätze gut.
Die Unterschiede werden wichtiger, sobald mehr als nur einzelne Dateien wiederhergestellt werden müssen.

Virtuelle Maschinen: Den gesamten Workload wiederherstellen

Eine komplette VM wiederherzustellen kann deutlich einfacher sein, als Betriebssystem und Anwendungen aus einzelnen Dateien neu aufzubauen.
Proxmox Backup Server ist genau auf dieses Modell für Proxmox VE ausgelegt. Komplette virtuelle Maschinen und LXC-Container können direkt gesichert und wiederhergestellt werden.
Bareos unterstützt VM-Level-Backup und -Recovery für VMware, Proxmox VE und Hyper-V.
Bacula bietet Integrationen für VMware, Proxmox und Hyper-V über Bacula Enterprise.
UrBackup bietet als kommerzielle Komponente nur eine Hyper-V-Integration.
Restic, BorgBackup und Duplicati verfolgen einen anderen Ansatz. Sie können Dateien innerhalb einer virtuellen Maschine sichern, sind aber nicht als hypervisorbasierte VM-Recovery-Systeme ausgelegt.

Dieser Unterschied ist wichtig, wenn Ihr Ziel darin besteht, eine komplette VM schnell wiederherzustellen, statt Betriebssystem und Anwendung manuell neu aufzubauen.

Datenbanken brauchen mehr als nur File Backup

Datenbanken stellen eine weitere Recovery-Herausforderung dar.
PostgreSQL-, MySQL- oder SQL-Server-Datendateien einfach zu kopieren, während die Datenbank läuft, führt nicht unbedingt zu einem konsistenten Backup. Datenbankgerechte Backups nutzen normalerweise Datenbank-APIs, Transaktionslogs, Snapshots oder datenbankspezifische Backup-Tools.
Bareos bietet dedizierte Integrationen für PostgreSQL, MySQL/MariaDB und Microsoft SQL Server. Oracle-Backups können mit den eigenen RMAN-Werkzeugen von Oracle erstellt und anschließend mit Bareos gesichert werden.
Bacula bietet ebenfalls dedizierte Integrationen für PostgreSQL, MySQL, Microsoft SQL Server und Oracle, überwiegend über Bacula Enterprise.
Bei Tools wie Restic, BorgBackup, Duplicati, UrBackup oder Proxmox Backup Server hängt der Datenbankschutz stärker von der Datenbank selbst ab. So kann beispielsweise zunächst ein konsistenter Datenbank-Snapshot erstellt und anschließend das daraus entstandene Backup gesichert werden.

Ein komplettes Linux- oder Windows-System wiederherstellen

Bareos unterstützt Linux Bare-Metal-Recovery über die Integration mit Relax-and-Recover (ReaR). ReaR erstellt eine Recovery-Umgebung und baut das System neu auf, bevor Bareos die gesicherten Daten wiederherstellt. Für Windows bietet Bareos 25 das Barri-Plugin, den Bareos Recovery Imager.
Bacula Enterprise stellt eigene Werkzeuge für Linux- und Windows-Bare-Metal-Recovery bereit.
UrBackup ist besonders für Windows-Systeme interessant. Es kann Image-Backups erstellen und diese mithilfe eines bootfähigen Recovery-Mediums auf einer leeren Festplatte wiederherstellen. Linux-Image-Backup und -Restore sind ebenfalls möglich, allerdings mit stärkeren Einschränkungen bei Dateisystemen und Festplattenlayouts.
Proxmox Backup Server kann Linux-Dateisysteme und Block-Device-Backups wiederherstellen, bietet aber keinen vollständigen physischen Bare-Metal-Recovery-Workflow, der Partitionen, Boot-Umgebung und Betriebssystem automatisch neu aufbaut. Die stärkste Form der vollständigen Systemwiederherstellung bleibt hier die Wiederherstellung von Proxmox-VMs und -Containern, die wir im vorherigen Artikel behandelt haben.
Restic, BorgBackup und Duplicati konzentrieren sich stärker auf die Wiederherstellung von Daten als auf die vollständige Rekonstruktion eines Betriebssystems. Fällt ein Rechner komplett aus, wird das System in der Regel zuerst neu installiert oder aufgebaut und anschließend werden die gesicherten Dateien wiederhergestellt.

Welches Recovery-Modell passt zu Ihrer Umgebung?

Es gibt kein Recovery-Modell, das für jede Umgebung am besten geeignet ist.
Wenn Sie hauptsächlich Dateien sichern, kann ein einfaches repositorybasiertes Tool wie Restic oder BorgBackup bereits alles bieten, was Sie benötigen.
Wenn die meisten Workloads auf Proxmox VE laufen, bietet Proxmox Backup Server einen sehr direkten VM-Recovery-Workflow.
Wenn Windows-System-Images wichtig sind, bietet UrBackup eine vergleichsweise unkomplizierte Möglichkeit.
Und wenn Ihre Umgebung physische Server, Datenbanken, VMware, Hyper-V, Proxmox und verschiedene Betriebssysteme umfasst, bieten Plattformen wie Bareos oder Bacula mehr Recovery-Optionen innerhalb einer gemeinsamen Backup-Umgebung.

Die wichtige Frage lautet deshalb nicht nur „Kann ich das sichern?“, sondern auch „Was muss ich konkret tun, wenn ich es wiederherstellen muss?“

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